Umbau und Aufstockung, Hamburg-Eimsbüttel

Heußweg 114 in 20255 Hamburg
Umbau und Aufstockung eines Bunkers

Die Aufstockung des Bunkers im Heußweg 114 in Hamburg-Eimsbüttel erhielt 2002 den 3. Preis bei dem „BDA Hamburg Architektur Preis“.
Der 1942/43 erbaute fünfgeschossige Hochbunker auf dem Eckgrundstück Heußweg/Unnastraße wurde ausgemustert und nur noch als minderwertige Lagerflächen genutzt. Ein ortsansässiger, gewerblicher Betrieb plante seine Raumsituation in die Bunkerräume zu verlegen.

In einem ersten Bauabschnitt wurden die beiden unteren Geschosse des Bunkers von einer Lager- zu einer Gewerbefläche umgebaut. Das Raumprogramm besteht aus einem Sekretariat/Empfang, einem Büro, einer Werkstatt, sowie Sozial- und Lagerflächen. Zur optimalen Belichtung wurde die 1,35 Meter dicke Betonwand auf der Seite vom Heußweg „aufgerissen“. Die Aufenthaltsräume wurden somit an der Öffnung auf zwei Geschossen gruppiert. Der Büroraum im ersten Obergeschoss erhielt dabei zusätzlich einen Galeriecharakter, durch die Öffnung zwischen Decke und Glasfassade.

Das Konzept der Fassadengestaltung sah vor, dass sich der Bunker Eimsbüttel und der Nachbarschaft öffnet und gleichzeitig der Charakter des Betons sichtbar bleibt. Die Glasöffnung in der mächtigen Bunkerwand sollte als eine Art Bilderrahmen fungieren und Sichtbeziehungen zwischen innen und außen zulassen. Außerdem sollten die gegensätzlichen Materialien der glatten, modernen Glasfassade und der raue, grobe Bunkerbeton miteinander harmonieren und eine Spannung erzeugen.
Die bestehende Bunkerwand, die seit Anfang der 80. Jahre mit einer naiven Malerei versehen war, wurde in diesem Zuge entfernt.

In einem zweiten Bauabschnitt wurde der Bunker um zwei Staffelgeschosse mit insgesamt fünf Wohneinheiten aufgestockt. Durch eine sichtbare Wohnnutzung auf dem massiven „Betonklotz“ erhielt der Bunker eine neue Funktion und lässt ihn gleichwertig mit der angrenzenden Nachbarschaft erscheinen. Die Aufstockung und die Fassadengestaltung wurde gemeinsam mit der Stadtplanung Eimsbüttel diskutiert und erarbeitet.

Die neue Bebauung sollte sich städtebaulich sowie architektonisch in die Umgebung einfügen und gleichzeitig deutliche Akzente setzen. Die Staffelgeschossbebauung wurde um 5 Grad zu den bestehenden Bunkeraußenkanten verdreht und von diesen zurückgesetzt. Der Baukörper wurde im Bereich der niedrigeren Nachbarbebauung in der Unnastraße durch Dachterrassen stark abgestaffelt.

Bedingt durch die massive Stahlbetonkonstruktion des Bunkers, war es möglich die Aufstockung als konventionelle Mauerwerksbauweise zu errichten.

Als Erschließung für die Staffelgeschosse wurde das vorhandene Treppenhaus, sowie der Aufzugsschacht erweitert bzw. hochgeführt.
Das wesentliche Gestaltungselement der Fassade der Aufstockung ist die durchgehende, zweigeschossige Glasfassade mit horizontalen Teilungen, die durch Mauerscheiben unterbrochen werden. Die Scheiben setzen sich als farbige Putzflächen ab. Im oberen Staffelgeschoss scheint das Dach mit seinem großen Überstand durch ein umlaufendes Fensterband zu schweben. Das bestehende Bunkerflachdach wird als großzügige Dachterrasse für die Wohnungen genutzt, das obere Staffelgeschoss erhielt weitere zwei Dachterrassen. Die fünf Wohnungen haben eine Wohnfläche von ca. 66 m2 bis ca. 133 m2 und wurden als großzügige, offene Loftwohnungen geplant.

Daten:

  • Baujahr: 2000 - 2001
  • Bauherr: Privat